Samstag, 27. April 2013

Vietnam

Vietnam mit der riesigen Nord-Süd-Ausdehnung hat viel Verschiedenes zu bieten: quirlige Städte, vielfältige Landschaften, interessante Küche, Kultur und Outdoor-Aktivitäten. Wir können uns gar nicht so recht entscheiden, wie wir dieses Land in den eingeplanten knapp 3 Wochen bereisen sollen.

Nach einem Abstecher ins Mekong-Delta wird uns die Entscheidung allerdings teilweise abgenommen. Bei Michael bricht das Dengue-Fieber aus und mit grippeähnlichen Symptomen muss er 5 Tage in Ho Chi Minh City (Saigon) das Bett hüten.

Aus Zeitgründen entschliessen wir uns deshalb, den mittleren Teil Vietnams auszulassen und direkt in den Norden zu fliegen, um noch genug Zeit für unsere "must-sees" zu haben: die Insel Cat Ba nahe der berühmten Halong-Bucht und Sapa, ein Bergstädtchen im Nordwesten.

Obwohl wir wegen der Krankheitspause doch noch einiges gesehen haben, erleben wir Vietnam mit gemischten Gefühlen. Es fällt uns immer wieder auf, dass die Einheimischen nicht sehr freundlich (zu uns) sind. Natürlich gibt es auch positive Ausnahmen, aber in der Regel fühlen wir uns nicht sehr willkommen. Ein offenes Lächeln ist spärlich und der Umgangston oft eher barsch oder einfach desinteressiert.

Kommt es daher, dass der Buddhismus im Land nicht so stark ausgeprägt ist wie in Thailand oder Myanmar? Ist das Mentalitätssache? Liegt es am Kommunismus? Oder an uns? Oder haben wir einfach nur Pech gehabt? Sicherlich kommt man als Tourist hauptsächlich mit Personen in Kontakt, die im Touristenbusiness arbeiten und wir haben den Verdacht, dass es auch noch ganz viele freundliche Menschen in Vietnam gibt. Vielleicht muss man mehr "vom ausgetretenen Pfad" abweichen, als wir es für diesen Reiseabschnitt getan haben?

Wer den Nervenkitzel sucht, muss in Ho Chi Minh City (Saigon) nur die Strasse überqueren. Eine Ampel wie hier auf dem Bild ist selten. Verkehrsregeln und die seltenen Fussgängerampeln werden komplett ignoriert. Da heisst es "Augen zu" (oder zumindest weggucken) und einfach drauf losmarschieren. Und siehe da, man kommt heil auf der anderen Strassenseite an. So chaotisch es wirkt, jeder nimmt Rücksicht auf den anderen und Unfälle passieren sehr selten.


Saigon bei Nacht im Backpackerviertel: Die Bars sind vollgepackt und es wuselt mit Menschen.

Bei der Sightseeing-Tour in Saigon suchen wir uns schöne Plätzchen für eine Pause aus. Michael sitzt im Hauptpostamt mit dem Portrait vom Volkshelden Ho Chi Minh im Zentrum. Nadine ruht sich auf einem manikürten Bäumchen im Park vor dem schönen Rathaus aus.


Bei einem Preis von nur 6 USD p.P. für einen Tagesausflug zu den nahegelegenen Cu Chi Tunnels sind wir skeptisch, werden aber positiv überrascht. Nach dem nicht zu vermeidenden Ramschladenstopp erweisen sich die Tunnelanlagen als sehr interessant. Kaum vorstellbar, wie die Viet Cong Kämpfer monatelang in dem engen unterirdischen Labyrinth gelebt haben und den amerikanischen Soldaten aufgelauert haben. Der Tunneleingang, der von unserem Guide gezeigt wird, ist kaum grösser als sein Schuh.  

Michael passt aber trotzdem rein und verschwindet flink im Loch. Auf dem zweiten Bild sieht man uns durch die Gänge krabbeln. Diese sind aber für die Touristen erweitert worden. Nadine ist zum Glück auch nicht stecken geblieben ;-)
Sehr beeindruckend waren die Fallen, die im Dschungel gebaut worden sind. Wenn man reintritt, kommt man nicht mehr raus ohne sich den Fuss abzuschneiden... *brrrr gruselig* 

Nach dem Tag in Cu Chi mit der Massen-Pauschaltouri-Tour beschliessen wir individuell ins Mekong-Delta zu fahren. Can Tho ist unser Ausgangspunkt und bietet interessante Fotomotive.

Die süsse Kleine findet unsere Sommersprossen so lustig, dass sie gar nicht mehr von uns weggehen mag und uns vom Busch abgerupfte Blätter schenkt. So lieb :-)

 So haben wir uns "Floating Markets" immer vorgestellt. Die Kürbisse fliegen (erstes Bild) und unsere junge, sympathische Führerin zeigt uns das bunte Treiben. Sie ist übrigens einer der sehr freundlichen Menschen, den wir in Vietnam getroffen haben.

 ...einfach super, hier mitten drin zu sein. Und es sind fast keine anderen Touristen zu sehen, das hätten wir auf der günstigen Pauschaltour sicher nicht gehabt. Dafür hat sich der Mehraufwand gelohnt.


 Wir klettern über Bambusbrücken und geniessen die Seerosen in einem der vielen Teiche.

 Nadine hat sich einen Baumwollfisch geangelt.
Auf dem rechten Bild sieht man Schneckenlarven, die sich überall festhaften. Anscheinend kann man sie sogar essen.

Michi darf das Rudern ebenfalls einmal übernehmen. Ziemlich anstrengend.
Auf dem Floating Market bekommen wir eine frische Ananas geschnitten, die man am Ende wie einen Lolli essen kann.
 Nach überstandenem Dengue-Fieber geht es weiter in den Norden auf die Cat Ba-Insel. Hier befinden wir uns ganz in der Nähe der weltberümten Halong-Bucht, die aus mehreren 100 Inseln besteht.
Da es leider nicht sonnig ist, kann man fast den Horizont nicht sehen.

 Auch hier versuchen wir die Tiere, die uns vor die Linse geraten, im Bild festzuhalten:
In diesem Fall ein Habicht im Flug und ein kecker Frosch auf dem Kabel.

Eine kurze aber steile Wanderung führt uns auf den Gipfel eines Hügels mitten im Nationalpark. Dort befindet sich ein mehr oder weniger vertrauenerweckender Aussichtsturm, den wir nur zur Hälfte erklimmen, ehe wir wegen Sicherheitsbedenken wieder den Rückzug antreten.


Die abendliche Stimmung über der Bucht ist wirklich malerisch. Ebenso wie die Aussicht von dem vorher erwähnten Aussichtsturm.
In der Krankenhaushöhle werden wir zum Wachdienst verdonnert (wieso hat uns denn keiner gesagt, dass wir die Mütze schräg auf dem Kopf haben?).
Achtung Roli: Es folgt wieder ein Spinnenbild...

Die Spinne sieht auf dem Bild grösser aus, als sie war. Die Giftzähne und das Netz-Nest sind dennoch beeindruckend.
Man fragt sich, ob sie auch von den Viet Cong vor die Krankenhaushöhle platziert wurden, um die bösen Amerikaner zu beissen ;-)


Roller fahren macht uns - wie immer - total Spass. Die Helme sind besonders coole Modelle.

Zum Tagesausflug in die Halong-Bucht gehört auch eine Kajak-Fahrt durch Höhlen.Eine davon ist mit zu wenig Wasser ausgestattet, was dem Guide aber offenbar egal ist. Uns nicht. Es gibt einen riesen Stau. Alle versuchen, ihre Kajaks durch die Höhle zu zerren. Am Ende kehren wir um und fahren auf eigene Faust zurück zum Boot, wo wir auch den Guide wieder antreffen.

Die interessanten Höhlen sind teilweise nur mit Kriech- und Krabbeleinlagen zu erreichen. Dafür gibt es hier aber tolle Stalaktiten und nachtaktive Höhlenbewohner zu sehen.

Es ist an diesem Tag zwar nicht sonnig, die Landschaft ist aber trotzdem einfach toll.

 Auf der Affeninsel erklimmen wir einen kleinen Hügel und erkennen recht schnell, woher die Insel ihren Namen hat. Das freche Tier hat die Sprite-Dose übrigens einfach der Touristin weiter hinten im Bild gestohlen. Das menschenähnliche Verhalten ist verblüffend.

 Im Restaurant kann man sich seine Meeresfrüchte noch lebend auswählen und kurz darauf verspeisen. Wir verzichten weitgehend darauf, da Michi´s Magen noch nicht wieder ganz fit ist.

In Hanoi besuchen wir den Schildkrötensee, in dem dieses Riesenexemplar, um das sich fantastische Mythen ranken, einst geschwommen ist.

Das Wasserpuppentheater gefällt uns richtig gut. Es ist eine Spezialität aus Vietnam und hat international viele Preise gewonnen.

Streetfood gibt es an jeder Ecke. In der Stadt oder auf dem Markt. Wir probieren uns durch die verschiedenen Nudelsuppen Vietnams.
Letzte Station in Vietnam ist Sapa, das Gebirgsdorf ganz im Norden, welches wir auf unserer im letzten Post beschriebenen Busfahrt erreicht haben. Hier haben wir mit dem Wetter grosses Glück. Mit dem Roller flitzen wir über einen Gebirgspass und fahren bis in das gegenüberliegende Tal und wieder zurück. Anstrengend, aber vom Panorama her fantastisch.

In Sapa selbst geraten wir in einen kleinen Stau. Michi fährt den Roller inzwischen fast wie die Einheimischen und schlängelt sich auf Gehwegen und schmalen Pfaden durch das Gewimmel. Wir wollen nämlich noch schnell ins Tal, um schöne Bilder vom Sonnenuntergang über den Reisterassen zu machen, die wir hier nach so langer Zeit in Asien zum ersten Mal sehen können.

So haben wir uns Asien immer vorgestellt.


Die Bergvölker bieten auf dem ehemaligen Fussballfeld von Sapa ihre Handwerksarbeiten an.

Eine schöne Wanderung führt uns am zweiten Tag durch nahezu unberührte Dörfer mitten in den Bergen. In dieser Region ist man als europäischer Tourist nach wie vor eine Attraktion für die Kleinen, die einen mit fröhlichen "hello bye bye"-Rufen begleiten.

Hier wird unter teilweise extremen Bedingungen Landwirtschaft betrieben.
Könnte von hier trotzdem der Spruch "faule Sau" stammen?

Am nächsten Tag machen wir einen Kochkurs. Dieser startet mit einem Besuch des lokalen Marktes, der wieder einmal ein Fest für die Sinne ist.

Der Kochkurs selber findet in einem toll gelegenen Resort mitten in den Reisterassen statt. Da macht das Schnippeln doch gleich doppelt so viel Spass.

Voilà, frische Frühlingsrollen á la Nadine und Michi und die dazu passende Hauptspeise: Stir Fried Chicken mit Reis und Gemüse.
 Aber Nadine: wir wissen doch alle das du ein Katzenfan bist! Aber kann man diesem knuffig-süssen Hundewelpen widerstehen? Nein, es ist einfach zu drollig und muss in den Arm genommen werden.
 Zurück in Hanoi besuchen wir noch das Ho-Chi-Minh-Mausoleum, in dem "Onkel Ho" einbalsamiert aufgebahrt liegt. Die ultimative Pilgerstätte für jeden Vietnamesen (und natürlich auch die meisten Touristen).
 In Hof der ältesten Uni Hanois (nicht mehr aktiv), lassen sich die Absolventen beim obligatorischen Hutwurf fotografieren.

Das war es aus Vietnam. Weiter geht es in Indonesien. Über Kuala Lumpur fliegen wir auf die Insel Sulawesi, wo wir die kommenden drei Wochen verbringen werden.

Bis bald,
Nadine und Michi

Freitag, 19. April 2013

Vietnam - Nachtbuserlebnis von Hanoi nach Sapa

Hallo zusammen,

heute melden wir uns inmitten einer Reiseetappe. Wahrscheinlich dient dieser Post auch als eine Art seelischer Verarbeitung des gerade Erlebten.
Der allgemeine Vietnam-Bericht folgt dann in Kürze.

Unsere letztes Ziel in Vietnam führt uns von Hanoi nach Sapa, der Trekking-Hauptstadt ganz im Norden des Landes (von hier aus könnten wir evtl. ohne chinesisches Visum über die grüne Grenze...? Nein besser nicht.).

Für die Anreise stehen grundsätzlich zwei Optionen zur Verfügung: 1.) Nachtzug - etwas langsamer aber wesentlich teuerer - oder 2.) Nachtbus - wahrscheinlich etwas holpriger aber viel günstiger. Da wir erst am Tag der Fahrt das Ticket buchen, wird uns die Entscheidung jedoch abgenommen. Aufgrund eines Feiertags und des nahenden Wochenendes sind alle Zugtickets bereits vergriffen, es bleibt also nur der Nachtbus. OK, den hätten wir wahrscheinlich so oder so gewählt. Mit Nachtbussen haben wir ja in Südamerika bereits recht gute Erfahrungen gemacht. Es erwarten uns ca. 10 Stunden Fahrt mit der Gesellschaft "SAO VIET" mit Ankunft früh am Morgen in Sapa.

Die Reiseagentur bestellt uns um 19 Uhr zu ihrem Büro, von wo aus wir abgeholt und zum Busterminal in Hanoi transportiert werden sollen. Und somit nimmt das Unglück seinen Lauf.
Um 18:50 Uhr stehen wir mit Sack und Pack vor der Reiseagentur und warten auf den Minibus...und warten... Mehrmaliges Nachfragen beim Büroangestellten wird mit einem lässigen "Minibus is coming" abgetan. Als um 19:30 Uhr noch immer kein Minibus da ist (aber mehrere davon bereits an uns vorbeigesaust sind) nähert sich uns ein Vietnamese und murmelt etwas von einem Taxi, das er rufen wolle. Vermutlich sind wir vergessen worden. Wir warten 10 weitere Minuten und tatsächlich kommt ein Taxi in das der Vietnamese (der sich uns nicht vorgestellt hat) einsteigt uns ebenfalls unsere Koffer. Also auch wir schnell ins Taxi rein. Bei jeder Frage unsererseits lässt man uns spüren, dass Touristen wohl als Fracht gelten sind und sich am besten nicht bemerkbar machen sollen.

Wir kommen zwar nicht beim Busterminal von Hanoi, dafür aber bei der Ticketniederlassung des Busunternehmens an. Dort werden wir ins Büro geparkt. Unser Versuch, wie alle anderen Passagiere den Voucher in Bustickets umzuwandeln scheitert mehrfach am sehr inkompetenten Personal, das uns wechselweise ignoriert, auslacht oder uns bittet, sich wieder hinzusetzen. Mehrere Busse werden inzwischen vor der Tür mit Passagieren beladen und machen sich auf den Weg. Wir sitzen da und warten geduldig mehr als eine Stunde, ohne weitere Informationen zu erhalten.
Schon leicht frustriert bleiben wir irgendwann vor den Schalterangestellten stehen und bestehen nun darauf, ebenfalls in einen der Busse einsteigen zu dürfen, wie alle anderen auch. Widerwillig wird uns der Wunsch gewährt und wir erhalten sogar Ticktes für den Bus.

Nachdem wir die Schuhe ausgezogen haben, werden wir auf einer Art Matratze, die auf dem Boden liegt, zu unserem Doppel-Doppelstockbett geführt. Ich habe mich nicht verschrieben. Es sind Doppelstockbetten mit jeweils zwei Liegesitzen nebeneinander. Wir dürfen oben Platz nehmen, was wir zuerst nicht so toll finden, aber immerhin haben wir endlich einen Platz.

Endlich dürfen auch wir in den Bus.

Unsere Aussicht auf die anderen Betten der oberen Ebene. 

Nach weiteren 45 Minuten setzt sich der Bus endlich in Bewegung. Inzwischen  wird uns auch die Bedeutung der Bodenmatratze klar: am Ende ist der Bus vollgestopft mit Passagieren, die billigen Plätze sind offenbar die ohne Liegesitz in der Mitte. Es stapeln sich mindestens 10-15 Menschen auf dem Gang und nehmen dort sehr unbequem aussehende Schlafpositionen ein. Was für ein Glück, das wir a) wegen unseres Drängens früh genug in den Bus gekommen sind und b) oben liegen und somit nicht viel vom Menschenhaufen unter uns mitbekommen.

Immer wieder hält der Bus an und lädt noch weitere Personen ein. Auf einmal taucht der Busbegleiter bei uns auf und bittet um unsere Tickets. Er kontrolliert diese und bittet uns, die Plätze für die neuen Gäste zu räumen. Wie? Was? Soll wohl ein Witz sein? Nach einigem Diskutieren trollt er sich wieder. 5 Minuten später kommt eine weitere Angestellte des Busunternehmens und tippt uns erneut an. Wieder entbrennt die Diskussion um die Sitzplätze, wir haben innerlich bereits beschlossen, sitzen bzw. liegen zu bleiben. Unfreundlich wird uns klar gemacht, wir hätten falsche Tickets und müssten daher auf dem Boden schlafen. Unsere Tickets hätten gar keine Nummer (obwohl wir eine unseren Plätzen entsprechende 5 darauf erkennen können). Wir hätten sowieso zu wenig für die Tickets bezahlt und sie noch dazu nicht in ihrem Office, sondern bei der Reiseagentur gekauft (wie kann man nur?).
Das Gespräch endet damit, dass die Dame uns vorschlägt, die neuen Gäste einfach zu uns zu schicken, damit diese neben/auf uns auf den zwei Liegesitzen schlafen können. Inzwischen haben wir Dank unserer Beharrlichkeit den halben Bus gegen uns aufgebracht (wir sind die einzigen Touristen). Zum Glück nehmen die geprellten Gäste nach weiteren Diskussionen Abstand vom Versuch, neben/auf uns zu schlafen.
Unsere emotionale Stimmung ist am Nullpunkt. Wir fühlen uns im Bus natürlich so richtig wohl. An Schlaf ist die nächsten Stunden erst einmal nicht mehr denken. Werden sie uns in Ruhe lassen? Kommt jetzt alle halbe Stunde jemand und legt sich mit uns an? Werden sie unser Reisegepäck bei der nächsten Gelegenheit einfach aus dem Bus werfen? Die Gedanken drehen sich in unseren Köpfen...

Um 01:30 Uhr ist WC- und Essenspause (wer auch immer um diese Uhrzeit Hunger hat). Wir nutzen diese selbstverständlich nicht, da wir uns nicht trauen den Bus und schon gar nicht unsere Plätze freiwillig aufzugeben.
Die Nacht vergeht - wider Erwarten - ohne weitere Zwischenfälle. Wir haben sogar im 5-Minutentakt etwas Schlaf gefunden.

Beim Aufwachen passiert Michi dann ein weiteres Unglück. Das Brillenetui - inkl. Brille - fällt beim umdrehen in den Gang hinunter. Es ist aber noch dunkel und man kann nichts sehen. Unten stapeln sich nach wie vor die Gangschläfer. So bleibt also nichts anderes als darauf zu warten, dass unten alle aufstehen und niemand das Etui samt Inhalt brauchen kann und sich damit aus dem Staub macht (ausreichend  Feinde haben wir uns am Vorabend ja unter Umständen gemacht). Musste das passieren? Echt ärgerlich, aber ein Unglück kommt selten allein.
Zum Glück bekomme ich das Etui aber mit Einbruch der Dämmerung und der einsetzenden Aufweckmusik in voller Lautstärke wieder zurückgereicht. Puh...erst einmal durchatmen.

Ca. eine Stunde vor Ankunft hält der Bus zwar mit Verspätung, aber dennoch wie mitgeteilt in einem grösseren Ort. Im Reisebüro hat man uns gesagt, den Bus auch hier nicht verlassen zu müssen, da auch diese Pause nur maximal 20 Minuten betragen würde. Irgendwie stehen jedoch alle auf und packen ihre Sachen zusammen. Seltsam...seltsam. Ein verbeihuschender Europäer, der irgendwo im Bus gewesen ist und teilt uns mit, dass der Bus gewechselt werden müsse. Irgendjemand hat ihm das offenbar gesagt. Uns hat man wohl "vergessen". Super, damit sind wir natürlich die Letzten, die den Bus verlassen. Immerhin ist unser Reisegepäck noch da. Allerdings sind wir natürlich auch die Letzten, die den Folgebus besteigen. Damit wird uns letztendlich doch noch die Ehre zuteil, auf der Gangmatratze Platz zu nehmen. Na ja, schlafen wollen wir sowieso nicht mehr und es sind ja auch nur noch 38 km.

Wir sitzen zwar im Gang, aber wir sind ja bald da. So leer wie auf dem Foto bleibt es nicht, auch der Gang ist bei Abfahrt voll besetzt.

Für die 38 km benötigen wir insgesamt 1,5 Stunden, da unterwegs der Bus schlapp macht und in der Reparaturpause die Dame vergessen wird, die uns am Vorabend aus unseren Betten bugsieren wollte. Sie war ausgestiegen und der Bus war ohne sie weitergefahren. Der Verlust wurde jedoch (leider) festgestellt, so dass wir an einem steilen Berghang darauf gewartet haben, bis die Dame wieder hechelnd den Bus erreichen konnte. Desweiteren haben vor uns im Bus noch einige Passagiere ihren Mageninhalt an Plastiktüten übergeben, was der guten Luft im Bus zusätzliche Würze verliehen hat.

Man mag es kaum glauben, aber nach über 13 Stunden Reisezeit kommen wir doch tatsächlich in Sapa an und können ohne Probleme im Hotel einchecken. Da sitzen wir nun und tippen diesen Bericht, den wir euch nicht länger vorenthalten wollen.

Was für eine Odysee. Im Endeffekt ist nichts Schlimmes passiert, aber es war echt unangenehm. Dabei wäre alles noch ok gewesen, wenn man als Tourist nicht ständig als dumm verkauft werden würde.
Wenn später einmal jemand nach dem schlimmsten Erlebnis des Reise fragt, dann haben wir einen neuen Erzählfavoriten... ;-)

Jetzt müssen wir uns erst einmal ein paar Stunden erholen.

Bis bald,
Michi und Nadine

Mittwoch, 3. April 2013

Thailand - Bangkok und Koh Tao

Zurück in Bangkok haben wir beschlossen, nach den vielen Reisetagen in Myanmar erst einmal ein paar Tage an einem Ort einzulegen. Zur Auswahl standen eine Insel vor der Küste von Vietnam und die thailändische Insel Koh Tao. Nachdem wir schon viel über das Tauchen rund um Koh Tao gelesen und gehört hatten, haben wir uns spontan für einen 5-tägigen Aufenthalt auf dieser Insel entschieden. Irgendwie war unsere Thailand-Erfahrung ohne Koh Tao auch noch nicht ganz komplett. Also mit Bus und Schnellboot auf die Insel und dort ein paar Tage am Strand entspannen und die Landschaft erkunden. Warum das nur zum Teil funktioniert hat, seht ihr bei den Bildern:

 Da wir uns in Bangkok bereits ein wenig auskennen, steuern wir ohne schlechtes Gewissen am ersten Abend das Restaurant "Bei Otto" an. Eine deutsche Gaststube, die seit über 28 Jahren mitten in Bangkok deutsche Gerichte anbietet. Nach nun über neun Monaten ohne unsere geliebten schwäbischen Maultaschen schmecken sie uns natürlich richtig gut (als Beilage gibt es einen Brotkorb mit Laugen- und sonstigem Gebäck *jammi*).
Am nächsten Tag gehen wir in ein "hot pot" Restaurant, wo man sich die Zutaten für den heissen Topf vom Fliessband (wie beim running sushi) nehmen kann. All you can eat inkl. Sushis - lecker!

 Am zweiten Tag in Bangkok versuchen wir unser Glück auf der Jagd nach einem chinesischen Visum auf der Botschaft. Die Neuplanung sieht vor, dass wir von Vietnam einen Abstecher nach China machen. Nach einem halben Tag Schlange stehen und einigen Seiten ausgefüllter Formulare werden wir jedoch wegen diversen fehlenden Schreiben und Nachweisen (von denen wir vorher nichts wussten) wieder unverrichteter Dinge nach Hause geschickt. Ausserdem muss man als deutscher Staatsbürger mindestens vier Tage lang auf das Visum warten. In dieser Zeit behält die Botschaft den Reisepass. Das ist uns dann doch irgendwie zu blöd und wir geben den China-Versuch auf. Unseren minimalen Frust spülen wir bei ein bis zwei Bierchen in der Soi Cowboy herunter (rechtes Bild).

 Nach einem Tag Anreise kommen wir auf Koh Tao an. In einer super-idyllischen kleinen Bucht beziehen wir ein rustikalen Bungalow direkt am Meer, der zur Tauchschule gehört, bei der wir gebucht haben. Koh Tao ist der Ort auf der Welt, an dem die meisten Taucher zertifiziert werden. Das nicht ohne Grund: die Lage der Insel bietet ideale Bedingungen zum tauchen. Fast die gesamte Küste ist von Korallenriffen umgeben.
 
 Unsere Tauchschule hat vor zwei Wochen ein neues Schiff bekommen, auf dem bis zu 30 Taucher Platz finden und das jeden Tag drei Tauchplätze anfährt.
Aufgrund des unschlagbar günstigen Preises und der tollen Unterwasserwelt machen wir daher in den kommenden vier Tagen jeder 11 Tauchgänge. Dies führt wiederum dazu, dass wir die Insel mehr von unten und vom Boot aus sehen. Wir sind jeden Tag von morgens bis nachmittags auf dem Schiff, zwei Stunden später wird es bereits dunkel.

 Die Unterwasserwelt hat auch hier wieder einige Raritäten wie diese Nacktschneckenfamilie oder den hübschen Blaupunktrochen zu bieten.

 Ausserdem begegnen wir unter Wasser der kleinen Zauberfee und selbst Superman fliegt einmal vor unserer Linse vorbei.

 Den frühen Abend verbringen wir quasi jeden Tag bei einem "Dekompressions-Bier" in der gemütlichen Strandbar, die praktischerweise direkt neben der Tauchschule ist.

 Am Abend zeigt einer der Angestellten der Bar eine Fackel-Show.

 Einige der Tauchplätze sind aufgrund ihrer Vielfalt einfach atemberaubend (auch wenn das unter Wasser nicht gerade lebensförderlich ist).
Wie der Zufall so will, begegnen wir am ersten Tag auf Koh Tao Jana und Alex wieder, die wir ca. eine Woche vorher in Myanmar kennengelernt haben. Weder die Beiden noch wir hatten geplant, nach Koh Tao weiterzureisen und doch begegnen wir uns im selben Ort wieder. Da beide auch passionierte Taucher sind, verbringen wir die vier Tage vor Ort sowohl unter als auch über Wasser meist zusammen. Wie klein die Traveller-Welt doch manchmal sein kann...

Wir freuen uns, in Jana und Alex zwei Freunde gefunden zu haben, die wir sicher auch nach unserer Rückkehr wieder sehen werden.
Die Abende am Strand in den Bars waren aber auch einfach zu gemütlich.

Ausserdem haben wir seit langem mal wieder ein Bild für unsere Sammlung platter Tiere. Auf dem Bild rechts ist Mimi - der zur Tauchschule gehörende Hund - zu sehen, die es sich auf dem etwas kühleren Betonboden gemütlich gemacht hat.


So, das war es nun aber tatsächlich mit Thailand. Es hat uns super gefallen, weiter geht es in Vietnam.

Viele Grüsse und bis bald,
Michi und Nadine